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Versbuch

Schwebende Zukunft

Joachim Ringelnatz · 18831934

23 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1932

Habt ihr einen Kummer in der BrustAnfang August,Seht euch einmal bewußtAn, was wir als Kinder übersahn.

Da schickt der LöwenzahnSeinen Samen fort in die Luft.Der ist so leicht wie DuftUnd sinnreich rund umgebenVon Faserstrahlen, zart wie Spinneweben.

Und er reist hoch über euer Dach,Von Winden, schon vom Hauch gepustet.Wenn einer von euch hustet,Wirkt das auf ihn wie Krach,Und er entweicht.

Luftglücklich leicht.Wird sich sanft wo in Erde betten.Und im Nächstjahr stehnDort die fetten, goldigen Rosetten,Kuhblumen, die wir als Kind übersehn.

Zartheit und Freimut lenkenWieder später deren Samen Fahrt.

Flöge doch unser aller ZukunftsdenkenSo frei aus und so zart.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte dreier Jahre Seite 83, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schwebende Zukunft“, Fassung 3.026.901 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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