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Versbuch

Schlechter Tag

Joachim Ringelnatz · 18831934

18 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1929

Müde streichen meine FingerÜber Runzeln, über Narben,Über graue Haare.

Prost, ihr Freunde, die in diesem JahreMir entstarben!– Bums!!Bums und klirr!! – Nun hab ich sozusagenInstinktivEine Fliege totgeschlagen.War es nicht, als ob sie Hilfe rief?!

Glas kaputt. So! Und jetzt löst mein vierter,Letzter Knopf sich scheu von Hose und Faden.Muß ich alles, alles ausbaden!?Ach, ich werde immer deprimierter.

Wenn doch eine Motte jetzt geflogen käme.Ach, ich würde sie zu Plüschsesseln einladen.Und noch Samt ihr hinlegen,Weil ich mich doch wegenDer Fliege so schäme.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Schlechter Tag“, Fassung 3.780.102 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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