Ruf zum Sport
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
33 Zeilen in 9 Strophen · zuerst gedruckt 6. Dezember 1926
Auf, ihr steifen und verdorrtenLeute aus Büros,Reißt euch mal zum WintersportenVon den Öfen los.
Bleiches Volk an Wirtshaustischen,Stellt die Gläser fort.Widme dich dem freien, frischen,Frohen Wintersport.
Denn er führt ins lodenfreieGletscherfexlertumUnd bedeckt uns nach der ReiheAll mit Schnee und Ruhm.
Doch nicht nur der Sport im Winter,Jeder Sport ist plus,Und mit etwas Geist dahinterWird er zum Genuß.
Sport macht Schwache selbstbewußter,Dicke dünn, und machtDünne hinterher robuster,Gleichsam über Nacht.
Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine,Kürzt die öde Zeit,Und er schützt uns durch VereineVor der Einsamkeit.
Nimmt den Lungen die verbrauchteLuft, gibt Appetit;Was uns wieder ins verrauchteTreue Wirtshaus zieht.
Wo man dann die sporttrainiertenMuskeln trotzig hebtUnd fortan in IllustriertenBlättern weiterlebt.
Joachim Ringelnatz
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zeitschrift „Simplicissimus“, 1. Auflage, Albert Langen Verlag, München, 6. Dezember 1926
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ruf zum Sport“, Fassung 3.779.589 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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