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Versbuch

Offener Antrag auf der Straße

Joachim Ringelnatz · 18831934

21 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1929

OFFENER ANTRAG AUF DER STRASSE

Ich habe einen Frisiersalon.Komm mit. Dort wollen wir knutschen.Ich wollte, ich wäre ein MalzbonbonUnd du, du würdest mich lutschen.

Wir geben dem Lehrbub den Nachmittag freiUnd schreiben „Geschlossen bis sieben“.Ich habe Rotwein im Laden und dreiDicke Roßhaarsäcke zum Lieben.

Ich werde dich unentgeltlich frisiernUnd dir die Nägel beschneiden.Du brauchst dich gar nicht vor mir geniern,Denn ich mag dicke Fraun leiden.

Ich habe auch Schwarzbrot und Butter und QuarkUnd außerdem einen großen – –Donnerwetter sind deine Muskeln stark!Du, zeig mal: was hast du für Hosen?

Wenn du dann fortgehst, bedanke dich nicht,Sondern halt es mit meinem Freund Franke.Der sagt immer, wenn man vom lieben Gott spricht:„Wem’s gut geht, der sagt nicht danke.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Offener Antrag auf der Straße“, Fassung 3.780.397 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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