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Versbuch

Mutter Frühbeißens Tratsch

Joachim Ringelnatz · 18831934

18 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1924

Wenn der über die Straßen ging:Sechs Schritte vor ihm wurden die Vögel stumm,Fielen die Pferde, kippte die Trambahn um,Stürzte die Schwalbe herab und der Schmetterling,Erbrachen sich Damen, krümmten sich Hunde. –

So roch das Schwein aus dem Munde.

Aber der kann nichts dafür.Die Frau von dem Sohn, wo Paula die Semmeln holt, neben Weyl,Deren Schwester hat auch solch ein Magengeschwür.Das kommt gar nicht aus dem Halse. Im Gegenteil.

Da hilft kein Pfeffermünz und kein Höllenstein.Kein Tabak. Alle Säuren hat der durchgekostet.Die ganze Zunge ist ihm schon hinten zerrostet.

Und stinkt immer noch wie ein Schwein.

Das geht auf keine Kuhhaut, was der erduldet.So einer ist ja zu nichts zu gebrauchen.Und will doch auch einmal atmen wie wir, und hauchen.

Wenn er mir auch noch sieben Mark schuldet.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Kuttel-Daddeldu, S. 66, Kurt Wolff Verlag, München, 1924
Digitalisat
de.wikisource.org — „Mutter Frühbeißens Tratsch“, Fassung 3.778.921 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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