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Versbuch

Nach der Trennung. Lichterfelde

Joachim Ringelnatz · 18831934

20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1929

War so oft schon dieses Scheiden.„Lebewohl!“ (Auf nur vier Wochen)Schon gemeinsam schwer gesprochen, –Schwerer jedem dann von beiden.

Jedes lächelte und lachteÜber das, was Üblich sprach.Jedes wußte das und dachteHinterher ganz anders, lange nach.

Dies Berlin ist grausig tief und flachUnd so breit. Es gibt dafür kein Dach.Schaurig schon, das Menschen dort verschwinden.Aber stelle arme Fraun dir vor, die dortSchamvoll irrend einen öffentlichen AbortSuchen und nicht finden.

Lichterfelde. Blieb mein D-Zug stehn.Und ich sah im Schnellzug vis-à-visEin so blasses schönes Eisenbahnergesicht,Wie ich fremdfern nieEin Gesicht so innig hab gesehn.

Du, du meine Frau, wirst mich verstehn.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
Digitalisat
de.wikisource.org — „Nach der Trennung. Lichterfelde“, Fassung 3.779.413 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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