Felgeaufschwung
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1923
Die wir im Felgeaufschwung uns befinden,Schwer wie das Eisen, das der Ristgriff faßt,Und wurde uns der eigne Leib zur Last.Und langsam sehen wir den Tag entschwinden.
Ein abgerissenes Sichvorwärtsschwingen –Ein seelenloses Steigen über nichts. –Von Leiden spricht das Zucken des Gesichts.Nur in der Ferne tönt ein Vesperklingen.
Nun sinkt das Haupt herab, und wie zum SchwörenHebt sich der Füße zages Doppelspiel.Und abermals erlahmt die Kraft am Ziel,Um wieder sich von neuem zu betören.
Und werden doch den toten • überwinden,Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist weich,Sitzwellend einst, dem Wellensittich gleich,So werden wir uns droben wiederfinden.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Turngedichte; Seite 14 103 Gedichte, Seite 85, Kurt Wolff Verlag, München, 1923
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Felgeaufschwung“, Fassung 3.778.613 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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