Die Lupe bietet sich an
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1933
Ich will euch dienen,Will euer Auge sein,Wenn ihr im AllzukleinSuchet wie Bienen.
Ich deute euch jederzeitFalsches und Wahres,Und WunderbaresDer bunten Winzigkeit.
Die spiegelt geheimnisvollDas große Treiben. –Und im kleinsten Winkel sollKein Schmutz bei euch bleiben.
Ich kann, aber will nicht gernEuch Löcher brennen.Haltet mir Blendlicht fern!Ihr sollt mich kennen.
Ihr sollt mich durchschaun,Wie ich die Spitzbübchen,Sollt ganz mir vertraun,Eurem konvexsen Linschen Lüpchen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- 103 Gedichte, S. 81–82, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1933
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Lupe bietet sich an“, Fassung 3.778.479 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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