Die Rakete und der Kater
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
22 Zeilen · zuerst gedruckt 1924
Hui! Die Rakete stieg. Sie fauchteAm Dach vorbei und höher. Glühend jung.Bis sie in wundervollem LinienschwungIn ferne, dunkle Abendwolken tauchte.Auf jenem Dache saß ein schwarzer Kater.Der sah die schöne Linie, und was tat er?Zunächst: er fauchte ebenfalls.Dann dehnte er sich, reckte seinen Hals.Dann krümmte er den Buckel, hob ein OhrUnd streckte seinen Schweif graziös empor,Um jene schöne Linie nachzumachen.Doch die Rakete oben barst vor Lachen.Da warf sich unser schwarzer KaterWild auf den Rücken. Und was tat er?Was tat er außer sich vor Wut?Nun, was man sonst gewöhnlich nichtGerade auf dem Rücken liegend tut.Er tat es kräftig, tat es reichlich, gut;Er hatte kurz zuvor zu HausZwei Babyflaschen ausgesogen.Doch jenen herrlichen Raketenbogen – –Nein, nein, den kriegte er nicht raus.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Geheimes Kinder-Spiel-Buch. Für Kinder von 5 bis 15 Jahren gedichtet und bebildert von Joachim Ringelnatz. Seite 31 - 32, 1. Auflage, Gustav Kiepenheuer, Potsdam, 1924
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Rakete und der Kater“, Fassung 3.562.996 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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