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Versbuch

Die Leipziger Fliege

Joachim Ringelnatz · 18831934

22 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1928

Ob wohl die Fliegen Eier in uns legen,Wenn sie so lange auf uns sitzen bleiben,Und wir sie, weil wir schlafen, nicht vertreiben?

Man sollte seinen Körper viel mehr pflegen.Die Fliege, die mich darauf brachte,Als ich in meinem Mietslogis erwachte,War eine greisenhafte und ergraute,

Daß ich nur zaghaft mir getraute,Sie wenigstens ein bißchen totzuschlagen.

Sie sterben im November sowiesoIn Leipzig. (Später als wie anderswo.)Wie können Sterbende doch oft noch plagen,Das Alter stimmt nicht immer mild.

Sie sind unheimlich dann und boshaft wild.

Doch unter solcher feuchten Sumpfluft leidenAlle. Leipzig hat seinen Hustenreiz.Man sollte im November Leipzig meiden,Nach Frankreich reisen oder in die Schweiz.

Die Fliege hat mir alle Lust genommen.Ich bin nicht wach und bin auch nicht im Schlaf.Als müßte ein Gewitter kommen.

Ob wohl ein Blitz je eine Fliege traf?

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Allerdings, S. 106, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1928
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Leipziger Fliege“, Fassung 3.533.568 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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