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Versbuch

Chansonette

Joachim Ringelnatz · 18831934

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1920

War ein echter Prinz und hat Warzen im Bett.Und kniete vor jeder Schleife.Vaters Leiche lag auf dem BügelbrettUnd roch nach Genever und Seife.

Wenn der Pfaffe unter meine Röcke schielt,Sagt die Alte, werd’ ich Geld bekommen.Meinem Bruder, der so schön die Flöte spielt,Haben sie die Nieren rausgenommen.

Glaubst du noch an Gott? und spielst du Lotterie?Meine Schwester kommt im Juli nieder.Doch der Kerl ist ein gemeines Vieh.Schenk mir zwanzig Mark; du kriegst sie wieder.

Außerdem: ich brauche ein Korsett,Und ein Nadelchen mit blauen Steinen.In ein Kloster möcht ich. Oder bei’s Ballett.Manchmal muß ich ganz von selber weinen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Turngedichte, Kurt Wolff Verlag, München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Chansonette“, Fassung 3.779.440 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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