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Versbuch

Sankt Georg

Rainer Maria Rilke · 18751926

21 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1918

Und sie hatte ihn die ganze Nachtangerufen, hingekniet, die schwachewache Jungfrau: Siehe, dieser Drache,und ich weiß es nicht, warum er wacht.

Und da brach er aus dem Morgengraunauf dem Falben, strahlend Helm und Haubert,und er sah sie, traurig und verzaubertaus dem Knieen aufwärtsschaun

zu dem Glanze, der er war.Und er sprengte glänzend längs der Länderabwärts mit erhobnem Doppelhänderin die offene Gefahr,

viel zu furchtbar, aber doch erfleht.Und sie kniete knieender, die Händefester faltend, daß er sie bestände;denn sie wußte nicht, daß der besteht,

den ihr Herz, ihr reines und bereites,aus dem Licht des göttlichen Geleitesniederreißt. Zu seiten seines Streitesstand, wie Türme stehen, ihr Gebet.Kategorie:Der neuen Gedichte anderer Teil

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 86, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
Digitalisat
de.wikisource.org — „Sankt Georg“, Fassung 2.851.870 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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