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Versbuch

Bremen

Joachim Ringelnatz · 18831934

28 Zeilen · zuerst gedruckt 1928 (EA 1927)

Hier gelt ich nix, und würde gern was gelten,Denn diese Stadt ist echt, und echt ist selten.Reich ist die Stadt. Und schön ist ihre Haut.Sag einer mir:Welch Geist hat hierDie Sankt Ansgarikirche aufgebaut?Groß schien mir alles, was ich hier entdeckte.Eine Riesenhummer lag in einem Laden.Wie der die Arme eisern von sich reckte,Als wollte er durchs Glas in Frauenwaden,In Bremer Brüste plötzlich fassenUnd – wie wir’s von den Skorpionen lesen –Restweg im Koitus sein Leben lassen, –Wär er nicht längst schon rot und tot gewesen.Als ich herauskam aus dem Keller, woSchon Heine saß, da sagte ich: „Oho!“Denn auf mich sah Paul Wegener aus Stein,Und er war groß und ich natürlich klein.Brustwarzen hatte er an beiden Knien,Vielleicht war’s auch der Roland von Berlin.Und als ich, wie um eine spanische WandMich schlängelnd, eine seltsam leereDoch wohlgepflegte Villengasse fandUnd darin viel verlorene Ehre,Stand dort ein Dacharbeiter.Den fragt ich so ganz nebenbei:Ob er wohl ein Senator sei?Da ging er lächelnd weiter.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Reisebriefe eines Artisten, S. 108, 109, 5.–9. Tausend, Ernst Rowohlt, Berlin, 1928 (EA 1927)
Digitalisat
de.wikisource.org — „Bremen (Ringelnatz)“, Fassung 1.245.704 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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