Vom Seemann Kuttel Daddeldu
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
38 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1924
Eine Bark lief ein in Le Haver,Von Sidnee kommend, nachts elf Uhr drei.Es roch nach Himbeeressig am Kai,Und nach Hundekadaver.
Kuttel Daddeldu ging an Land.Die Rü Albani war ihm bekannt.Er kannte nahezu alle Hafenplätze.
Weil vor dem ersten Hause ein Mädchen stand,Holte er sich im ersten Haus von dem Mädchen die Krätze.
Weil er das aber natürlich nicht gleich empfand,Ging er weiter, – kreuzte topplastig auf wilder Fahrt.Achtzehn Monate Heuer hatte er sich zusammengespart.
In Nr. 6 traktierte er Eiwie und Kätchen,In 8 besoff ihn ein neues, straff lederbusiges Weib.Nebenan bei Pierre sind allein sieben gediegene Mädchen,Ohne die mit dem Zelluloid-Unterleib.
Daddeldu, the old Seelerbeu Kuttel,Verschenkte den Albatrosknochen,Das Haifischrückgrat, die Schals,Den Elefanten und die Saragossabuttel.Das hatte er eigentlich alles der Mary versprochen,Der anderen Mary; das war seine feste Braut.
Daddeldu – Hallo! Daddeldu,Daddeldu wurde fröhlich und laut.
Er wollte mit höchster Verzerrung seines GesichtsPartu einen Niggersong singenUnd „Blu beus blu“.Aber es entrang sich ihm nichts.
Daddeldu war nicht auf die Wache zu bringen.Daddeldu Duddel Kuttelmuttel, KattelduErwachte erstaunt und singend morgens um vierZwischen Nasenbluten und Pomm de Schwall auf der Pier.
Daddeldu bedrohte zwecks Vorschuß den Steuermann,Schwitzte den Spiritus aus. Und wusch sich dann.
Daddeldu ging nachmittags wieder an Land,Wo er ein Renntiergeweih, eine Schlangenhaut,Zwei Fächerpalmen und Eskimoschuhe erstand.Das brachte er aus Australien seiner Braut.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kuttel-Daddeldu, S. 4 und 7, Kurt Wolff Verlag, München, 1924
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Vom Seemann Kuttel Daddeldu“, Fassung 3.778.894 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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