Enttäuschter Badegast
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
27 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1929
Wenn ich im Badeanzug binUnd im Familienbade,Geht die Erotik fort. WohinWeiß Gott. Wie schade!
Und Weiber jederlei GestaltSie lassen alle dann mich kalt,Wie die verdammte JaucheDer See, in die ich tauche,Kalt macht, speziell am Bauche.
Von der Kabine bis ans MeerGeniere ich mich immer sehr.Trotz Spucke und trotz LaufgeschwindMerkt jede Frau und jedes Kind,Daß meine Füße dreckig sind.Und niemand fragt woher.
Daß jemanden, der nicht gut schwimmt,Daß man den gar nicht mehr als Mann,Sondern als Tauchemännchen nimmt – –
So handeln Weiber, die bestimmtWären, mich aufzuregen.
Mir schmeckt das Badewasser nie.Ich denke immer an PipiUnd kann das auch belegen.
Es liegt mir fern, hier indiskretKrampfadern aufzuwühlen,Doch jede Frau, die baden geht,Weiß nichts von meinen Gefühlen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Flugzeuggedanken, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1929
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Enttäuschter Badegast“, Fassung 3.779.749 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
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