Sie erlischt
Heinrich Heine · 1797–1856
20 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1851
XVIII.Sie erlischt.
Der Vorhang fällt, das Stück ist aus,Und Herrn und Damen gehn nach Haus.Ob ihnen auch das Stück gefallen?Ich glaub’ ich hörte Beifall schallen.Ein hochverehrtes PublicumBeklatschte dankbar seinen Dichter.Jetzt aber ist das Haus so stumm,Und sind verschwunden Lust und Lichter.
Doch horch! ein schollernd schnöder Klang,Ertönt unfern der öden Bühne; –Vielleicht daß eine Saite sprangAn einer alten Violine.Verdrießlich rascheln im Parterr’Etwelche Ratten hin und her,Und Alles riecht nach ranz’gem Oele.Die letzte Lampe ächzt und zischtVerzweiflungsvoll und sie erlischt.Das arme Licht war meine Seele.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen. Seite 198, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sie erlischt“, Fassung 1.061.016 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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