Die armen Weber
Heinrich Heine · 1797–1856
21 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 10. Juli 1844
Im düstern Auge keine Thräne,Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:„Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,Wir weben hinein den dreifachen Fluch!Wir weben! Wir weben!
„Ein Fluch dem Gotte, dem blinden, dem tauben,Zu dem wir gebetet mit kindlichem Glauben;Wir haben vergebens gehofft und geharrt,Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt.Wir weben! Wir weben!
„Ein Fluch dem König’, dem König’ der Reichen,Den unser Elend nicht konnte erweichen,Der uns den letzten Groschen erpreßt,Und uns wie Hunde erschießen läßt!Wir weben! Wir weben!
„Ein Fluch dem falschen Vaterlande,Wo nur gedeihen Lüg’ und Schande,Wo nur Verwesung und Todtengeruch –Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch!Wir weben! Wir weben!H. H.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Wochenblatt „Vorwärts!“, off, Paris, 10. Juli 1844
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die armen Weber“, Fassung 3.473.410 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
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