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Versbuch

Ein Weib

Heinrich Heine · 17971856

16 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1844

Sie hatten sich beide so herzlich lieb,Spitzbübin war sie, er war ein Dieb.Wenn er Schelmenstreiche machte,Sie warf sich auf’s Bett und lachte.

Der Tag verging in Freud und Lust,Des Nachts lag sie an seiner Brust.Als man in’s Gefängniß ihn brachte,Sie stand am Fenster und lachte.

Er ließ ihr sagen: O komm zu mir,Ich sehne mich so sehr nach dir,Ich rufe nach dir, ich schmachte –Sie schüttelt’ das Haupt und lachte.

Um sechse des Morgens ward er gehenkt,Um sieben ward er in’s Grab gesenkt;Sie aber schon um achteTrank rothen Wein und lachte.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, Romanzen. 165–166, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1844
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ein Weib“, Fassung 5.013.565 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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