Epilog
Heinrich Heine · 1797–1856
22 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1827
Wie auf dem Felde die Weizenhalmen,So wachsen und wogen im MenschengeistDie Gedanken.Aber die zarten Gedanken der LiebeSind wie lustig dazwischenblühende,Roth’ und blaue Blumen.
Roth’ und blaue Blumen!Der mürrische Schnitter verwirft Euch als nutzlos,Hölzerne Flegel zerdröschen Euch höhnend,Sogar der hablose Wanderer,Den Eu’r Anblick ergötzt und erquickt,Schüttelt das Haupt,Und nennt Euch schönes Unkraut.Aber die ländliche Jungfrau,Die Kränzewinderin,Verehrt Euch und pflückt EuchUnd schmückt mit Euch die schönen Locken,Und also geziert, eilt sie zum Tanzplatz,Wo Pfeifen und Geigen lieblich ertönen,Oder zur stillen Buche,Wo die Stimme des Liebsten noch lieblicher töntAls Pfeifen und Geigen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Buch der Lieder, Die Nordsee, Zweiter Cyklus, S. 371–372, 1, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1827
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Epilog (Die Nordsee 1827)“, Fassung 3.778.937 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Heine starb 1856; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1926 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118548018 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.