Grodek
Georg Trakl · 1887–1914
18 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1915
Am Abend tönen die herbstlichen WälderVon tötlichen Waffen, die goldnen EbenenUnd blauen Seen, darüber die SonneDüster hinrollt; umfängt die NachtSterbende Krieger, die wilde KlageIhrer zerbrochenen Münder.Doch stille sammelt im WeidengrundRotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt,Das vergossne Blut sich, mondne Kühle;Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.Unter goldnem Gezweig der Nacht und SternenEs schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.O stolzere Trauer! ihr ehernen Altäre,Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,Die ungebornen Enkel.
(September 1914)
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- off, Brenner Verlag, Innsbruck, 1915
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Grodek“, Fassung 3.780.391 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Trakl starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118623575 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.