Der Anarchisterich
Erich Mühsam · 1878–1934
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1906
War einst ein Anarchisterich,der hatt’ den Attentatterich.Er schmiss mit Bomben um sich rum;es knallte nur so: bum bum bum.Einst kam der Anarchisterichan einen Schlosshof fürstelich,und unter’m Rock verborgen feintrug er ein Bombombombelein.
Nach haus kam Serenissimus,sprach: Omnia nos wissimus,und sprach viel weise Worte noch,dass alles rings nach Weisheit roch.Jedoch der Anarchisterichmit seiner Bombe seitwärts schlichund schmiss sie Serenissimounter den Rokkokopopo.
Und rings war alles bass entsetzt,Durchlaucht hat sich vor Schreck gesetzt,indes der Anarchisterichdurch eine Seitenthür entwich.Nur einer sprang beherzt herbei,zu helfen, was zu helfen sei.Doch sprach er bleich: Volk höre nur,’s ist ’ne Bomb – onniére nur.
Rings aber lag man auf dem Knieund heulte, jammerte und schrieund betete: Du lieber Gott,schlag’ doch die Anarchisten tot!Drum merk dir, Anarchisterich,heil’ dich vom Attentatterich.Kommst du zum Hofe fürstelich,geht’s fürder dir für-fürchterlich.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Canaille. Monats-Beilage zur Wochenschrift „Der freie Arbeiter“. 2. Jg., Februar 1906. S. [4], 1. Auflage, K. Oestreich, Berlin, 1906
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Anarchisterich“, Fassung 2.839.509 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Erich Mühsam starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118584758 der Deutschen Nationalbibliothek.
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