Still zu deinem Buche greifst du
Georg Friedrich Daumer · 1800–1875
29 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1846
CLXVI.
Still zu deinem Buche greifst du,Zum Pokale greift Hafis;Zur Vollendungskrone reifst du,Zum Verderben reift Hafis.
In gewohnter Schranke bleibst du,Ein geduldig frommes Schaf;Als ein Leu aus seinem GitterIn die Wilde schweift Hafis.
Eitel gute Werke häufst du,Strahlender Verdienste Berg;Fürchterlich zu aller StundeSeine Sünden häuft Hafis.
Viele fromme Herzen stärkst duDurch gelehrten Unterricht;Mächtiglich in aller ThorheitAlle Thoren steift Hafis.
Mörderische Klingen schleifst du,Ziehend in den Ketzerkrieg;Seine Versediamanten,Seine schönen, schleift Hafis.
Hoch hinauf zum Himmel steigst duAls ein qualmend Rauchgewölk;Eine frische Felsenquelle,Tief zu Thale läuft Hafis.
Fass’ ich es in eine Stanze;Ewig, o du armer Mann,Träufst du nur von Bitterkeiten,Und von Süße träuft Hafis.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Hafis. Eine Sammlung persischer Gedichte: nebst poetischen Zugaben aus verschiedenen Völkern und Ländern. S. 101-102, 1. Auflage, Hoffmann und Campe, Hamburg, 1846
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Still zu deinem Buche greifst du“, Fassung 585.092 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Georg Friedrich Daumer starb 1875; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1945 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118678957 der Deutschen Nationalbibliothek.
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