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Versbuch

Die Theilung der Erde.

Friedrich Schiller · 17591805

32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1804

Nehmt hin die Welt! rief Zeus von seinen HöhenDen Menschen zu, nehmt, sie soll euer seyn.Euch schenk ich sie zum Erb’ und ew’gen Lehen,Doch theilt euch brüderlich darein.

Da eilt was Hände hat, sich einzurichten,Es regte sich geschäftig jung und alt.Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten,Der Junker birschte durch den Wald.

Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen,Der Abt wählt sich den edeln Firnewein,Der König sperrt die Brücken und die Straßen,Und sprach, der Zehente ist mein.

Ganz spät, nachdem die Theilung längst geschehen,Naht der Poet, er kam aus weiter Fern’.Ach! da war überall nichts mehr zu sehen,Und alles hatte seinen Herrn!

Weh mir! So soll denn ich allein von allenVergessen seyn, ich, dein getreuster Sohn?So ließ er laut der Klage Ruf erschallen,Und warf sich hin vor Jovis Thron.

Wenn du im Land der Träume dich verweilet,Versetzt der Gott, so hadre nicht mit mir.Wo warst du denn, als man die Welt getheilet?Ich war, sprach der Poet, bey dir.

Mein Auge hieng an deinem Angesichte,An deines Himmels Harmonie mein Ohr,Verzeih dem Geiste, der, von deinem LichteBerauscht, das Irdische verlor!

Was thun? spricht Zeus, die Welt ist weggegeben,Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein.Willst du in meinem Himmel mit mir leben,So oft du kommst, er soll dir offen seyn.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. Erster Theil. [Ausgabe letzter Hand] S. 30-31, 2. Auflage, Siegfried Lebrecht Crusius, Leipzig, 1804
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Teilung der Erde“, Fassung 3.778.457 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Friedrich Schiller starb 1805; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1875 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118607626 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.