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Versbuch

Das Neue Deutschland

Erich Mühsam · 18781934

41 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1925

Melodie: Preisend mit viel schönen Reden

Sich empfehlend den GenossenFür die nächste Reichstagswahl,Saßen viele deutsche SoziJüngst bei Sklarz im Speisesaal.

Grinsend rief der dicke EbertVon dem Präsidentensitz:„An mein Volk! Du hältst die Schnauze!“Und gleich schrie man: „Bravo, Fritz!“

Scheidemann, der mit der Glatze,Sprach in überlegnem Ton:„Ich erwürgt’ zwar nicht die Feinde,Doch die Revolution!“

Dann erhob sich Parvus-HelphandUnd begehrt’ das höchste Lob,Weil im ganzen Land kein SchieberSoviel in die Tasche schob.

Erhard Auer sprach aus München:„Ich bin meines Siegs gewiß.Mir bestätigt Lindners Kugel,Daß ich Bayerns Volk beschiß.“

Aber plötzlich ward es stille.Noske ballte seine Faust,Und es rollten seine Augen,Daß es den Genossen graust,

Und er rief: „Euch lobt der Bürger,Denn ihr meint’s ja alle gut.Aber hier, seht meine Hände:Jeder Finger trieft von Blut.

Ruhe, Sicherheit und Ordnungtun dem Kapitale not.Fünfzehntausend Proletarierschlugen meine Garden tot.“

Stürmisch schrieen: „Prosit, Noske!“Ebert, Parvus, Scheidemann.Bauer, David, Landsberg, HeineStießen mit dem Sektglas an.

„Heil dir, Justav, Held und Sieger,Dir verneigen wir uns stumm.Wir betrügen unser Volk nur,Aber Du, Du bringst es um!“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Revolution. Kampf-, Marsch- u. Spottlieder. S. 43–44, „Der freie Arbeiter“ Rudolf Oestreich, Berlin, 1925
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das neue Deutschland“, Fassung 2.572.054 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Erich Mühsam starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118584758 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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