Dies irae
Erich Mühsam · 1878–1934
20 Zeilen · zuerst gedruckt 1920
Der Hölle Rachen fauchte Gift und Unrat ausund ließ die Welt in Urschlamm und in Blut ersaufen,und Feuerbrand und Eisensplittergrausschuf aus der Menschheit Stätten öde Trümmerhaufen.Was Teufelstücke unterm Gottesfluch erdacht,ward Menschenwerk, ward Würfelgut und Ware,ward Antrieb, Vorwand, Mittel, Wahn der Macht,ward Mordgeist, Heldenruhm, Sieg und Fanfare.Entstellte Krüppel, unbegrabenes Menschenaas.Wo Wälder, Städte standen, trostloses Gerölle.Der Weiber Glück und Hoffnung gieriger Krähen Fraß.Mars Triumphator auf dem blutigen Thron der Hölle...Empor, betrogene Menschheit, aus dem schmutzigen Pfuhl!Der Freiheitswille drängt hervor aus Knechtsgewimmel.Schon unterm blutigen Baldachine schwankt der Stuhlder Weltbeherrscher. – Höllengeister, scheut den Himmel!...Der Himmel! Seine ersten Blitze funkeln schon,und Himmelsahnen reißt die Welt in Abenteuer.Freiheit aus Höllenqual! – Empor, Revolution!!Wer auf zum Himmel will, fürcht' nicht das Fegefeuer!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Brennende Erde. Verse eines Kämpfers, S. 65, Kurt Wolff Verlag, München, 1920
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Dies irae“, Fassung 3.779.338 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Erich Mühsam starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118584758 der Deutschen Nationalbibliothek.
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