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Versbuch

Die Pflicht

Erich Mühsam · 18781934

21 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1925

Mai 1924

Jüngst war der Tod bei mir zu Gast,Unsichtbar stand er und hat stillUnd prüfend meinen Puls gefaßt,Als fragt er, ob ich folgen will.Da ward mein Körper schwebend leicht,Und in mir ward es licht und rein.Ich spürte: Wenn das Leben weicht,Muß Seligkeit und Süße sein.Willkommner Tod. Du schreckst mich nicht;In deiner Obhut ist es gut,Wo Geist und Leib von aller Pflicht,Von Kerkerqual und Ängsten ruht ...Von aller Pflicht? Stirbt denn mit mirDer Krieg, das Unrecht und die Not?Des Armen Sucht, des Reichen Gier, –Sind sie mit meinem Ende tot?Ich schwur den Kampf. Darf ich ihn fliehn?Noch leb ich – wohlig oder hart.Kein Tod soll mich der Pflicht entziehn, –Und meine Pflicht heißt Gegenwart!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Alarm. Manifeste aus 20 Jahren, S. 94, Der Syndikalist, Berlin, 1925
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Pflicht“, Fassung 3.779.838 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Erich Mühsam starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118584758 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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