Spielzeug
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
20 Zeilen · zuerst gedruckt 1882
Liebchen fand ich spielend. Einen KastenHatte sie entdeckt voll längst vergeßnenStaub’gen Kinderspielzeugs: Mauern, Thore,Rathhaus, Häuser, Häuserchen und Kirche …Sie erbaut’ das Städtchen mit gelenkenHänden, stellt’ den Kirchthurm in die Mitte.Doch ein Häuschen hatt’ sie vorbehalten,Vorbehalten sieben grüne PappelnFür ein allerliebstes kleines Landgut.Nicht zu nah! Im Städtchen klatscht man sündlich.Nicht zu ferne! Man bedarf der Menschen.„Eben sind wir eingezogen!“ jubelt’Sie und klatscht’ in ihre kleinen Hände.In der Wonne des erworbnen HeimesRiß ich Liebchen an mich so gewaltsam,Daß den Arm sie streckte wie ertrinkend …Was erwischte sie mit schnellen Fingern,Eng an meine Brust gepreßt? Die Kirche,Ja, die Kirche mit dem rothen Dach war’sUnd sie stellt’ sie dicht vor unser Landhaus.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 160, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Spielzeug (Meyer)“, Fassung 2.086.297 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
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