Die betrogene Welt
Christian Felix Weiße · 1726–1804
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Der reiche Thor mit Gold geschmücket,Zieht Celimenens Augen an:Der wackre Mann wird fortgeschicket,Den Stutzer wählt sie sich zum Mann:Es wird ihr prächtigs Band vollzogenUnd bald sieht sie ihr Elend ein:Die Welt will ja betrogen seyn;Drum werde sie betrogen!
Auf närrischen geschmückten BühnenSchreyt Stax den albern Bürger stumm,Preist Curen, die nicht möglich schienen,Und zeigt sein Privilegium:Hanns gafft, und seinem Wahn gewogen,Schluckt er den Tod in Billen ein;Die Welt will ja betrogen seyn,Drum werde sie betrogen!
Beate, die vor wenig TagenDer Buhlerinnen Krone war,Fängt an sich violet zu tragen,Und kleidet Canzel und Altar.Dem äußerlichen Schein gewogenHält mancher sie für engelrein.Die Welt will ja betrogen seyn:Drum werde sie betrogen!
So oft ich Carolinchen küsse,Schwör ich ihr zärtlich ewge Treu:Sie stellt sich, als ob sie nicht wisse,Daß außer mir ein Jüngling sey.Kaum hat mich Doris weggezogen,So nimmt mein Aemtgen Damon ein.Die Welt will ja betrogen seyn:Drum werde sie betrogen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 24-25, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die betrogene Welt“, Fassung 3.487.046 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
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