Die Einfalt
Christian Felix Weiße · 1726–1804
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1758
Unter Rosen und JesminenFand den letzten FrühlingstagMops die Chloe, die im GrünenUeberrascht vom Schlummer lag:Weste spielten mit dem Kleide,Und des Busens leichten Flor:Und der Gott der Lieb und FreudeGuckt aus jedem Strauch hervor.
Mops wirft neben ihr sich nieder,Kneipt sie, bis er sie geweckt:Sie seufzt, schmählet, seufzet wieder,Fragt, warum er sie erschreckt?„Weißt du, was du mir versprochen?“Ruft Mops; „jetzund halt es fein!Es sind, dünkt mir, schon vier Wochen; – –Gelt? so lange muß es seyn?“
Chloe wundert sich der Fragen,Lächelt ja, und saget: Nein!Ich? versprochen? kannst du sagen!Glaube mir, es kann nicht seyn.O, ruft Mops, wollt ich nur schwörenDoch Amynt belauscht uns ja:Gleich sollst du es selber hören;Ja, ich such ihn, warte da.
Nein, ich will ihn lieber suchen,Sagte Chloe, warte du,Und sie lief den stillen Buchen,Wo Amyntas weidet, zu.Mops bleibt voll Erwartung stehen;Doch, wie lange wartet er?Man würd ihn noch warten sehen,Wenns nicht Nacht geworden wär.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Scherzhafte Lieder. S. 38-39, 1. Auflage, Weidemann, Leipzig, 1758
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Einfalt“, Fassung 3.489.313 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Christian Felix Weiße starb 1804; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1874 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118630563 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.