Arbeit für Arbeitslose
Kurt Tucholsky · 1890–1935
39 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 9. März 1926
Arbeit für Arbeitslose von Theobald TigerHerrn Ebermayer zur Beschlagnahme freundlich empfohlen
Stellung suchen Tag für Tag,aber keine kriegen.Wer kein Obdach hat, der magauf der Straße liegen.Sauf doch Wasser für den Durst!Spuck aufs Brot – dann hast du Wurst!Und der Wind pfeift durch die Hose –Arbeitslose.Arbeitslose.
Schaffen wollen – und nur sehn,wie Betriebe schließen.Zähneknirschend müßig gehn …Bleib du nicht am Reichstag stehn –!Geßler läßt was schießen.Zahl den Fürsten Müßiggang;Friere nachts auf deiner Bank.Polizeiarzt. Diagnose:Arbeitslose.Arbeitslose.
Wart nur ab.Es kommt die Zeit,darfst dich wieder quälen.Laß dir von Gerissenheitnur nichts vorerzählen:Klagen hilft nicht,plagen hilft nicht,winden nicht und schinden nicht.Dies, Prolet, ist deine Pflicht:Hau sie, daß die Lappen fliegen!Hau sie bis zum Unterliegen!Bleib dir treu.Die Klasse hälteinig gegen eine Welt.Auf dem Schiff der neuen Zeit,auf dem Schiff der Zukunft seidIhr Soldaten! Ihr Matrosen!Ihr – die grauen Arbeitslosen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Weltbühne. Jahrgang 22, Nummer 10, Seite 382, Verlag der Weltbühne, Berlin, 9. März 1926
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Arbeit für Arbeitslose“, Fassung 996.245 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.