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Versbuch

Die Geburt

Alfred Henschke · 18901928

14 Zeilen · zuerst gedruckt 1913

Der Vorhang läßt nur mattes Licht herein,Sie windet sich auf tränennassen Kissen,Sie hat die Zähne in den Daumen fest gebissen,Daß blau er schwillt. Sie hält es nicht muß schrein,Es rast heraus, es bricht sich an den WändenDer graue Ton und klopft mit fürchterlichen HändenDa schlägt hoch über aller Wipfel Glut die FlammeEin rosig, klumpig Etwas trägt die Amme.Der Sanitätsrat hat den Ärmel aufgekrempelt,Indem er diesen roten Fleck zu einem Knaben stempelt.Dem Vater perlt der kalte Schweiß.Die Mutter aber lächelt, und sie weiß,Es singt mit Harfen und mit Flöten ihren Ohren:Ich habe einen Gott geboren!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Morgenrot! Klabund! Die Tage dämmern!, S. 57, Erich Reiß Verlag, Berlin, 1913
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Geburt“, Fassung 3.507.069 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Alfred Henschke starb 1928; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1998 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 1182379923 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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