Zum Inhalt springen
Versbuch

Der Würfel

Christian Morgenstern · 18711914

14 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1981

Ein Würfel sprach zu sich: Ich binmir selbst nicht völlig zum Gewinn!

Denn meines Wesens sechste Seite,und sei es auch Ein Auge bloßsieht immerdar statt in die Weite,der Erde ewig dunklen Schoß.

Als dies die Erde, drauf er ruhte,vernommen, ward ihr schlimm zu Mute.

Du Esel, sprach sie, ich bin dunkel,weil dein Gesäß mich just bedeckt!Ich bin so licht wie ein Karfunkel,sobald du dich hinweggefleckt.

Der Würfel, innerlichst beleidigt,hat sich nicht weiter drauf verteidigt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Alle Galgenlieder. S. 57, Diogenes, Zürich, 1981
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der Würfel“, Fassung 3.780.138 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Christian Morgenstern starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11881169X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Christian Morgenstern

Alle Gedichte von Christian Morgenstern ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.