Verwunschen
Wilhelm Busch · 1832–1908
30 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Geld gehört zum Ehestande,Häßlichkeit ist keine Schande,Liebe ist beinah absurd.Drum, du nimmst den Junker JochenInnerhalb der nächsten Wochen.Also sprach der Ritter Kurt.
Vater, flehte Kunigunde,Schone meine Herzenswunde,Ganz umsonst ist dein Bemühn.Ja, ich schwör’s bei Erd und Himmel,Niemals nehm ich diesen Lümmel,Ewig, ewig haß ich ihn.
Nun, wenn Worte nicht mehr nützen,Dann so bleibe ewig sitzen,Marsch mit dir ins Burgverlies.Zornig sagte dies der Alte,Als er in die feuchte, kalteKammer sie hinunterstieß.
Jahre kamen, Jahre schwanden,Nichts im Schlosse blieb vorhandenAußer Kunigundens Geist.Dort, wo graue Ratten rasseln,Sitzt sie zwischen Kellerasseln,Von dem Feuermolch umkreist.
Heut noch ist es nicht geheuerIn dem alten BurggemäuerUm die Mitternacht herum.Wehe, ruft ein weißes Wesen.Will denn niemand mich erlösen?Doch die Wände bleiben stumm.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 280, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Verwunschen“, Fassung 3.779.511 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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