Kinder, lasset uns besingen
Wilhelm Busch · 1832–1908
31 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Aber ohne allen Neid,Onkel Kaspers rote Nase,Die uns schon so oft erfreut.
Einst ward sie als zarte PflanzeIhm von der Natur geschenkt;Fleißig hat er sie begossen,Sie mit Wein und Schnaps getränkt.
Bald bemerkte er mit Freuden,Daß die junge Knospe schwoll,Bis es eine Rose wurde,Dunkelrot und wundervoll.
Alle Rosen haben Dornen,Diese Rose hat sie nicht,Hat nur so ein Büschel Haare,Welches keinen Menschen sticht
Ihrem Kelch entströmen süßeWohlgerüche, mit Verlaub:Aus der wohlbekannten DoseSchöpft sie ihren Blütenstaub.
Oft an einem frischen MorgenZeigt sie uns ein duftig Blau,Und an ihrem HerzensblatteBlinkt ein Tröpflein Perlentau.
Wenn die andern Blumen welken,Wenn‘s im Winter rauh und kalt,Dann hat diese WunderroseErst die rechte Wohlgestalt.
Drum zu ihrem Preis und RuhmeSingen wir dies schöne Lied.Vivat Onkel Kaspers Nase,Die zu allen Zeiten blüht!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kritik des Herzens. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 2, S. 508, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Kinder, lasset uns besingen“, Fassung 3.779.398 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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