Die Teilung
Wilhelm Busch · 1832–1908
30 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Es hat einmal, so wird gesagt,Der Löwe mit dem Wolf gejagt.Da haben sie vereint erlegtEin Wildschwein stark und gut gepflegt.
Doch als es ans Verteilen ging,Dünkt das dem Wolf ein mißlich Ding.
Der Löwe sprach: Was grübelst du?Glaubst du, es geht nicht redlich zu?Dort kommt der Fuchs, er mag entscheidenWas jedem zukommt von uns beiden.
Gut, sagt der Wolf, dem solch ein FreundAls Richter gar nicht übel scheint.
Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich:Herr Doktor, das ist was für Euch.Hier dieses jüngst erlegte Schwein,Bedenkt es wohl, ist mein und sein.Ich faßt es vorn, er griff es hinten;Jetzt teilt es uns, doch ohne Finten.
Der Fuchs war ein Jurist von Fach.Sehr einfach, spricht er, liegt die Sach.Das Vorderteil, ob viel, ob wenig,Erhält mit Fug und Recht der König.Dir aber, Vetter Isegrim,Gebührt das Hinterteil. Da nimm!
Bei diesem Wort trennt er genauDas Schwänzlein hinten von der Sau;Indes der Wolf verschmäht die Beute,Verneigt sich kurz und geht beiseite.
Fuchs, sprach der Löwe, bleibt bei mirVon heut an seid Ihr Großvezier.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Zu guter Letzt. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 4, S. 283-284, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Teilung“, Fassung 3.779.443 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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