Du hast das schöne Paradies verlassen
Wilhelm Busch · 1832–1908
19 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt [1960]
Tratst ein in dieses Labyrinthes Gassen,Verlockt von lieblich winkenden Gestalten,Die Schale dir und Kranz entgegenhalten;Und unaufhaltsam zieht‘s dich weit und weiter.
Wohl ist ein leises Ahnen dein Begleiter,Ein heimlich Graun, daß diese süßen FreudenDich Schritt um Schritt von deiner Heimat scheiden,Daß Irren Sünde, Heimweh dein Gewissen;Doch ach umsonst! Der Faden ist zerrissen.Hohläugig faßt der Schmerz dich an und warnt,Du willst zurück, die Seele ist umgarnt.Vergebens steht ob deinem Haupt der Stern.Einsam, gefangen, von der Heimat fern,Ein Sklave, starrst du in des Stromes LaufUnd hängst an Weiden deine Harfe auf.
Nun fährst du wohl empor, wenn so zuzeitenIm stillen Mondeslichte durch die SaitenEin leises, wehmutsvolles Klagen gehtVon einem Hauch, der aus der Heimat weht.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Kritik des Herzens. In: Historisch-kritische Gesamtausgabe in vier Bänden. Band 2, S. 523, Vollmer, Wiesbaden u. Berlin, [1960]
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Du hast das schöne Paradies verlassen“, Fassung 3.780.144 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Wilhelm Busch starb 1908; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1978 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118517880 der Deutschen Nationalbibliothek.
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