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Versbuch

Puritanerpredigt

Theodor Fontane · 18191898

43 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1905

(Cheapside, London, 1645.)

„… Landsleute, Volk von London, hört mich an:Ihr denkt, der König ist’s; der ist es nicht,Der fühlt wie wir. Das Unglück kommt von drüben,Von Frankreich kommt’s und nennt sich Kön’gin-Mutter.Und dazu Medici. Ein schlimmer Name.Papistisch alle, Gott dem Herrn ein Greul,Am meisten aber sie, das blut’ge Buhlweib,Das Frankreichs Thron befleckte: Katharina.Landsleute, tretet näher, hört mich an,Von diesem Buhlweib will ich Euch erzählen.

Bluthochzeit feierte die Stadt Paris,Der Glocke Zeichen war in Nacht verklungenUnd durch die Straßen, wie gehetztes Wild,Wehschreiend, betend, floh der Hugenott.Schon zog ein Blutstreif durch den Seine-Fluß,Schon lag verstümmelt, siebenfach durchbohrt,Auf offnem Platz der greise Coligny,Und immer noch, den Mord zum Morde mahnend,„Laßt Ader!“ schrie der tückische Tavannes.Im Schlosse aber, das sie Louvre nennen,An jener hohem Bogenfenster einem,Stand König Karl, der neunte seines Namens,Und zitterte. Der ungeheure FrevelGriff ihm in’s Herz. Trotz Licht und FackelglanzNacht war’s um ihn. Er warf die Büchse fort;„Ich kann nicht schießen, Mutter!“ rief der König.Da trat sie selber vor, schwarz war ihr Haar,Schwarz wie der Sammet ihres SchleppenkleidesUnd ihrem Aug’ entflammte tiefre Gluth,Als dem Rubin, der ihr am Nacken blitzte.„Bist Du ein Mann?“ so raunte sie ihm zu,„Ein König und so feig? ich mag’s nicht glauben.“Das zündete. Der Fürst, – in falscher SchamErgiff er neu das Rohr, sie aber rief:„Schau dort das Weib, das Hugenottenweib,Sie flieht und birgt den Säugling an der Brust,Zertritt das Raupennest!“ Der König schoß;Ein Wehschrei klang herauf; sie aber klatschteDem Schützen Beifall …

Katharina hieß sie.Die unsre heißt Marie. Das ist das Ganze, –Sonst Medici, die damals und die heute.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 177–178, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Puritanerpredigt“, Fassung 1.620.224 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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