Zum Kölner Domfest
Theodor Fontane · 1819–1898
25 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1905
(15. Oktober 1880.)
Ersehnter Tag! Inmitten lichten GlanzesErhebt sich Pfeilerwald und Schiff und Chor,Aus der Umgrenzung eines ZinnenkranzesIns Unbegrenzte steigt der Knauf empor;Aus Theil- und Stückwerk endlich ward ein Ganzes,Und Furcht erlag, und Zweifelsucht verlor,Und mit den Thürmen schwingt sich auf nach obenEin Lobgesang: Laßt uns den Herren loben!
Und wer ihn hört, aufjubelnder erscholl erIn keiner Stund’, an keiner Stelle wohl,Und alle Pulse schlagen freud’ger, voller:Ein Ideal, es ward uns zum Idol;Eins wurde Hohenstauf und Hohenzoller,Und dieser Dom ist dessen uns Symbol,Und wie nach Maß und Schönheit ohne Gleichen,Ist er zugleich uns unsrer Einheit Zeichen.
Ein Einheits-Zeichen! Ach, und doch gespalten,Uneinheitlich des Volkes Herz und Sinn; –Ersehnter Tag, in deines Mantels FaltenNimm, eh’ du scheidest, unsren Zwiespalt hin!Laß Einigkeit aus Einheit sich gestalten,Aus ihr erblüht der größere Gewinn,Und klingst du, hohe Kaiserglocke, heute:Versöhnung, Friede sei dein erst Geläute!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 344, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zum Kölner Domfest“, Fassung 1.718.165 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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