John oder Harry?
Theodor Fontane · 1819–1898
25 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1851
[1844.]
Da drüben an des Rheines Borden,Des Franzmanns ritterlicher SinnRuft jenen Percy aus dem Norden,Den Heißsporn immer vor mich hin;Den Heißsporn, der zum ZeitvertreibeDie Schotten dutzendweis erstach,Und jammernd dann zu seinem WeibeVon thatenlosem Dasein sprach.
Und seh ich dann auf PolstersitzeDich deutschen Michel hingestreckt:Den Mund voll selbstgefällger Witze,Und in der Hand ’nen Becher Sekt;Wird mir dazu die AugenweideVon Hängebauch und Doppelkinn,Will mir, zu meinem eignen Leide,John Falstaff gar nicht aus dem Sinn.
Wie, oder wär dies Locker–lebenDer Klugheit Maske nur für Dich?Wirst Du Dich aus dem Schlamm erhebenWie Harry Monmouth ritterlich?Wirst du dereinst in Schlachtentänzen,Bei Shrewsbury, auf blutgem FeldMit Percy’s Lorbeer Dich bekränzen?Dann grüß Dich Gott, Du Zukunftsheld.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 91–92, 1. Auflage, Carl Reimarus’ Verlag. W. Ernst., Berlin, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „John oder Harry?“, Fassung 3.779.961 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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