Papageienpark
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
15 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1918
PARIS
Unter türkischen Linden, die blühen, an Rasenrändern,in leise von ihrem Heimweh geschaukelten Ständernatmen die Ara und wissen von ihren Ländern,die sich, auch wenn sie nicht hinsehn, nicht verändern.
Fremd im beschäftigten Grünen wie eine Parade,zieren sie sich und fühlen sich selber zu schadeund mit den kostbaren Schnäbeln aus Jaspis und Jadekauen sie Graues, verschleudern es, finden es fade.
Unten klauben die duffen Tauben, was sie nicht mögen,während sich oben die höhnischen Vögel verbeugenzwischen den beiden fast leeren vergeudeten Trögen.
Aber dann wiegen sie wieder und schläfern und äugen,spielen mit dunkelen Zungen, die gerne lögen,zerstreut an den Fußfesselringen. Warten auf Zeugen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 64, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Papageienpark“, Fassung 1.726.042 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.