Musik
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
17 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1906
Was spielst du, Knabe? Durch die Gärten gingswie viele Schritte, flüsternde Befehle.Was spielst du, Knabe? Siehe deine Seeleverfing sich in den Stäben der Syrinx.
Was lockst du sie? Der Klang ist wie ein Kerker,darin sie sich versäumt und sich versehnt;stark ist dein Leben, doch dein Lied ist stärker,an deine Sehnsucht schluchzend angelehnt. –
Gieb ihr ein Schweigen, daß die Seele leiseheimkehre in das Fluthende und viele,darin sie lebte, wachsend, weit und weise,eh du sie zwangst in deine zarten Spiele.
Wie sie schon matter mit den Flügeln schlägt:So wirst du, Träumer, ihren Flug vergeuden,daß ihre Schwinge, vom Gesang zersägt,sie nicht mehr über meine Mauern trägt,wenn ich sie rufen werde zu den Freuden.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Das Buch der Bilder 1. Buch Teil 1, S. 21, Zweite sehr vermehrte Auflage, Axel Junker Verlag, Berlin / Leipzig, Stuttgart, 1906
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Musik (Rilke)“, Fassung 2.353.012 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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