Die Entführung
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
19 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1918
Oft war sie als Kind ihren Dienerinnenentwichen, um die Nacht und den Wind(weil sie drinnen so anders sind)draußen zu sehn an ihrem Beginnen;
doch keine Sturmnacht hatte gewißden riesigen Park so in Stücke gerissen,wie ihn jetzt ihr Gewissen zerriß,
da er sie nahm von der seidenen Leiterund sie weitertrug, weiter, weiter:
bis der Wagen alles war.
Und sie roch ihn, den schwarzen Wagen,um den verhalten das Jagen standund die Gefahr.Und sie fand ihn mit Kaltem ausgeschlagen;und das Schwarze und Kalte war auch in ihr.Sie kroch in ihren Mantelkragenund befühlte ihr Haar, als bliebe es hier,und hörte fremd einen Fremden sagen:Ichbinbeidir.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 108, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Entführung“, Fassung 3.490.071 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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