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Versbuch

Ein Pinsel mit sehr talentvollen Borsten

Joachim Ringelnatz · 18831934

15 Zeilen · zuerst gedruckt 1912

Der musste viel hungern und viel dorsten.Er war 60 Jahre alt und hiess Tipfelchen.Aus festem Tannenholz war sein Stiel.Er malte, und was er malte, gefiel.Doch, wie gesagt, er litt Hunger und Durst.Da kam eine junge fettige Wurst.Sie wog 500 Gramm und war vom Stamme Rindvieh.Kaum hatte der Pinsel die Wurst gesehn,Blieb er stehn,Bückte sich tief dabeiKnickte dann schief entzwei.Die Wurst aber, mit Namen Schulze,Sagte: „Mein lieber Tipfelchen,Hier hast du ein Wurstzipfelchen,Male mir mal drei Meter Sulze.“

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Die Schnupftabaksdose. Stumpfsinn in Versen und Bildern von Hans Bötticher und Richard Seewald (1889-1976). S. 33, 1. Auflage, R. Piper & Co., München, 1912
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ein Pinsel mit sehr talentvollen Borsten“, Fassung 3.780.523 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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