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Versbuch

Die Gazelle

Rainer Maria Rilke · 18751926

15 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1907

GAZELLA DORCAS

Verzauberte: wie kann der Einklang zweiererwählter Worte je den Reim erreichen,der in dir kommt und geht, wie auf ein Zeichen.Aus deiner Stirne steigen Laub und Leier,

und alles Deine geht schon im Vergleichdurch Liebeslieder, deren Worte, weichwie Rosenblätter, dem der nicht mehr liestsich auf die Augen legen, die er schließt,

um dich zu sehen: hingetragen, alswäre mit Sprüngen jeder Lauf geladenund schösse nur nicht ab, solang der Hals

das Haupt ins Horchen hält: wie wenn beim Badenim Wald die Badende sich unterbricht,den Waldsee im gewendeten Gesicht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, S. 38, 1. Auflage, Insel-Verlag, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Die Gazelle“, Fassung 3.781.045 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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