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Versbuch

Der König

Rainer Maria Rilke · 18751926

14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Der König ist sechzehn Jahre alt.Sechzehn Jahre und schon der Staat.Er schaut, wie aus einem Hinterhalt,vorbei an den Greisen vom Rat

in den Saal hinein und irgendwohinund fühlt vielleicht nur dies:an dem schmalen langen harten Kinndie kalte Kette vom Vlies.

Das Todesurteil vor ihm bleibtlang ohne Namenszug.Und sie denken: wie er sich quält.

Sie wüßten, kennten sie ihn genug,daß er nur langsam bis siebzig zählteh er es unterschreibt.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Neue Gedichte, S. 63, 1. Auflage, Insel-Verlag, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der König“, Fassung 3.780.489 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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