Der Apfelgarten
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
17 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1918
BORGEBY-GARD
Komm gleich nach dem Sonnenuntergange,sieh das Abendgrün des Rasengrunds;ist es nicht, als hätten wir es langeangesammelt und erspart in uns,
um es jetzt aus Fühlen und Erinnern,neuer Hoffnung, halbvergeßnem Freun,noch vermischt mit Dunkel aus dem Innern,in Gedanken vor uns hinzustreun
unter Bäume wie von Dürer, diedas Gewicht von hundert Arbeitstagenin den überfüllten Früchten tragen,dienend, voll Geduld, versuchend, wie
das, was alle Maße übersteigt,noch zu heben ist und hinzugeben,wenn man willig, durch ein langes Lebennur das Eine will und wächst und schweigt.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 114, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der Apfelgarten“, Fassung 2.550.657 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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