Aus der Kinderzeit
Rainer Maria Rilke · 1875–1926
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1955
Sommertage auf der ›Golka‹ ...Ich, ein Kind noch. – Leise her,aus dem Gasthaus klingt die Polka,und die Luft ist sonnenschwer.
Sonntag ists. – Es liest Helenelieb mir vor. – Im Lichtgeglänzziehn die Wolken, wie die Schwäneaus dem Märchen Andersens.
Schwarze Fichten stehn wie Wächterbei der Wiesen buntem Schatz;von der Straße dringt Gelächterbis zu unserm Laubenplatz.
An die Mauer lockt uns beidemancher laute Jubelschrei:drunten geht im FeierkleidePaar um Paar zum Tanz vorbei.
Bunt und selig, Bursch und Holka,Glück und Sonne im Gesicht! –Sommertage auf der ›Golka‹, –und die Luft war voller Licht ...
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Larenopfer. In: Sämtliche Werke, Band I, S. 60-61., Insel-Verlag, Frankfurt am Main, 1955
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Aus der Kinderzeit“, Fassung 3.779.667 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.
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