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Versbuch

Begegnung in der Kastanien-Allee

Rainer Maria Rilke · 18751926

17 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1918

Ihm ward des Eingangs grüne Dunkelheitkühl wie ein Seidenmantel umgegeben,den er noch nahm und ordnete: als ebenam andern transparenten Ende, weit,

aus grüner Sonne, wie aus grünen Scheiben,weiß eine einzelne Gestaltaufleuchtete, um lange fern zu bleibenund schließlich, von dem Lichterniedertreibenbei jedem Schritte überwallt,

ein helles Wechseln auf sich herzutragen,das scheu im Blond nach hinten lief.Aber auf einmal war der Schatten tief,und nahe Augen lagen aufgeschlagen

in einem neuen deutlichen Gesicht,das wie in einem Bildnis verweiltein dem Moment, da man sich wieder teilte:erst war es immer, und dann war es nicht.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 88, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
Digitalisat
de.wikisource.org — „Begegnung in der Kastanien-Allee“, Fassung 1.726.057 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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