Weihnachten
Kurt Tucholsky · 1890–1935
34 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 25. Dezember 1919
Von Theobald Tiger
Nikolaus der Gutekommt mit einer Rute,greift in seinen vollen Sack –dir ein Päckchen – mir ein Pack.Ruth Maria kriegt ein Buchund ein Baumwolltaschentuch,Noske einen Ehrensäbelund ein Buch vom alten Bebel,sozusagen zur Erheiterung,zur Gelehrsamkeitserweiterung ...Marloh kriegt ein Kaiserbildund ’nen blanken Ehrenschild.Oberst Reinhard kriegt zum Hohndie gesetzliche Pension ...Tante Lo, die, wie ihr wißt,immer, immer müde ist,kriegt von mir ein dickes Kissen. –Und auch hinter die Kulissenkommt der gute Weihnachtsmann:Nimmt sich mancher Leute an,schenkt da einen ganzen Sackguten alten Kunstgeschmack.Schenkt der Orska alle RollenWedekinder, kesse Bollen –(Hosenrollen mag sie nicht:dabei sieht man nur Gesicht ... ).Der kriegt eine Bauerntruhe,Fräulein Hippel neue Schuhe,jener hält die liebste Hand –Und das Land? Und das Land?Bitt ich dich, so sehr ich kann:Schenk’ ihm Ruhe –lieber Weihnachtsmann!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Ulk. 48. Jahrgang. Nr. 52., Mosse-Verlag, Berlin, 25. Dezember 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Weihnachten (Tucholsky)“, Fassung 3.777.697 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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