’s ist Krieg!
Kurt Tucholsky · 1890–1935
25 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1919
Die fetten Hände behaglich verschränktvorn über der bauchigen Weste,steht Einer am Lager und lächelt und denkt:„’s ist Krieg! Das ist doch das Beste!Das Leder geräumt, und der Friede ist weit.Jetzt mach in anderen Chosen –Noch ist die blühende, goldene Zeit!Noch sind die Tage der Rosen!“
Franz von der Vaterlandsparteiklatscht Bravo zu donnernden Reden.Ein ganzer Held – stets ist er dabei,wenn sich Sprecher im Saale befehden.Die Bezüge vom Staat, die Nahrung all right –laß Stürme donnern und tosen –Noch ist die blühende, goldene Zeit!Noch sind die Tage der Rosen!
Tage der Rosen! Regierte sich jeso leicht und bequem wie heute?Wir haben das Prae und das Portepeeund beherrschen geduckte Leute.Wir denken an Frieden voll Ängstlichkeitmit leider gefüllten Hosen –Noch …Noch ist die goldene, die blühende Zeit!Noch sind die Tage der Rosen!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Fromme Gesänge, S. 15, Felix Lehmann, Charlottenburg, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „’s ist Krieg!“, Fassung 3.778.812 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Kurt Tucholsky starb 1935; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2005 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 11862444X der Deutschen Nationalbibliothek.
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